EU-Reifenlabel fördert Missbrauch

Reifen und Elektrogeräte haben künftig etwas gemeinsam: Ab November tragen auch die schwarzen Gummis ein Leistungs- Label, das ähnlich aussieht wie etwa das auf Kühlschränken. Dieser Aufkleber gibt Aufschluss über drei Kriterien und soll den Autofahrer beim Reifenkauf unterstützen. Doch es reicht nicht, sich als Käufer einfach auf das Label zu verlassen.

Das Reifenlabel greift viel zu kurz und vermittelt das trügerische Gefühl, informiert zu sein. Denn tatsächlich bewertet das Label nur Rollwiderstand, Bremseigenschaften auf nasser Straße und das Abrollgeräusch.

„Unter den rund 20 Reifeneigenschaften, die ein Test der Fachzeitschriften prüft, werden nur drei gewertet“, kritisiert Pressesprecher Alexander Bahlmann vom Marktführer Continental. So fehlen Informationen über das präzise Handling – wichtig beim Ausweichen vor Hindernissen -, Aquaplaningeigenschaften oder den Bremsweg auf trockener Straße. Auch die hierzulande besonders wichtigen Wintereigenschaften werden nicht abgedeckt.

Ein Problem an dieser einschränkenden Betrachtungsweise ist, dass Reifen gezielt auf ein gutes Abschneiden in diesen drei Eigenschaften hin entwickelt werden können – und dann unter Umständen in anderen wichtigen Kriterien völlig untauglich sind. Der Kunde glaubt dann – weil das Label Topwerte ausweist – einen guten Reifen gekauft zu haben, hat sich aber in Wahrheit Gummischrott am Auto montieren lassen. Ganz abgesehen davon: Sanktionen für Falschauszeichnungen seien bisher noch gar nicht beschlossen worden, klagt der Continental- Sprecher.

Wie objektiv ist eine Geräuschmessung?

Und auch das Abrollgeräusch, das ja ausgewiesen wird, ist relativ. Bei einer Pressekonferenz demonstrierte Continental den Unterschied zwischen objektiver und subjektiv empfundener Lautstärke: Zwei Autos rollten an den anwesenden Journalisten nacheinander vorbei, alle hielten das erste der beiden für deutlich lauter. Tatsächlich war der Schalldruck identisch, lediglich die Frequenz war anders – was auf das Reifenlabel keinen Einfluss hat.



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Die Werte des EU- Reifenlabel müssen ab November dieses Jahres auf jedem Reifen angebracht sein, der in der EU verkauft wird. Alternativ sieht die Verordnung die Übernahme der Werte in die technische Literatur und die Preislisten vor. Auf jeden Fall muss im Verkaufsraum des Reifenhändlers auf die Werte hingewiesen werden, auch auf der Rechnung müssen die Werte ersichtlich sein. Da das Anbringen der Labels eine Vorlaufzeit benötigt, werden schon vor dem Stichtag viele Reifen im Handel mit dem neuen Signet versehen sein.

Reifentests bleiben wichtigste Informationsquelle

„Wir begrüßen das EU- Reifenlabel ausdrücklich“, sagt Bahlmann, doch bleiben die wichtigste Quelle für eine umfassende Beurteilung von Reifen- Eigenschaften nach wie vor die Testberichte der führenden unabhängigen Fachredaktionen, die jedes Jahr im Frühjahr und im Herbst veröffentlicht werden.

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Datum: Mittwoch, 16. Mai 2012 8:00
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