Günstige und gute Autos? Lada will der Top-Discounter sein

Es gibt diesen berühmten Witz über die Überlegenheit von Low-Tech-Lösungen. Der geht so: Die NASA entwickelte für ihr Mondlandeprogramm mit Millionenaufwand einen Kugelschreiber, der auch in der Schwerelosigkeit funktioniert. Die Russen gaben ihren Kosmonauten einfach einen Bleistift mit auf den Weg.

Der Kampf um den Platz ganz unten

Im automobilen Wettbewerb sind die High-Tech-Ansprüche bis heute ähnlich verteilt. Westliche Standards sind im Osten noch längst nicht erreicht. Aber osteuropäische Hersteller ringen auf dem deutschen Automarkt auch nicht um den Platz ganz oben – sondern um den ganz unten. Gesteuert wird dieser Wettkampf allerdings von einem französischen Auto-Konzern. Der von Renault kontrollierte russische Auto-Riese Lada und die rumänische Renault-Tochter Dacia konkurrieren beständig um den Rang, den billigsten Neuwagen auf dem deutschen Markt anzubieten. Aktuell hat der Lada Granta das Rennen gemacht – in seiner Heimat ein Bestseller. Den gibt’s bei uns übrigens schon für 6750 Euro. Damit löst der Granta den bisher am billigsten Dacia Sandero ab, für den 6890 Euro aufgerufen werden. Gerade mal den Preis einer Tankfüllung entfernt, rangiert auf Billig-Platz 3 wieder ein Lada, der Kalina für 6950 Euro. Mit solchen Preisen spalten die Renault-Töchter sogar noch das unterste Preis-Segment in eine Zweiklassengesellschaft. An der 10.000-Euro-Grenze kratzen zahlreiche Kleinstwagen europäischer oder fernöstlicher Herkunft. Die wollen von einem Billig-Image aber nichts wissen. Die präsentieren sich anspruchsvoll designte Zwerge mit urbanem Chic für die Generation Smartphone. Die Billigheimer dagegen bedienen eine stabile Klientel von Kunden, denen es auf Image, Komfort, Top-Ausstattung und das Prädikat „Technik neuester Stand“ nicht ankommt – fahren soll der Untersatz einfach. Da macht es auch nichts, dass es nur schlappe und technisch veraltete Euro5-Motoren gibt.

Kleiner Preis, spartanische Ausstattung

In Indien gibt’s ja sogar schon ein Auto für unter 2000 Euro – nun ja, wenn man den Tata wirklich Auto nennen möchte. Anders dagegen die Automobile aus Russland und Rumänien – eine technische Zumutung sind die nicht unbedingt. Sicherheitsausstattungen wie Airbags, ESP oder ABS sind auch bei diesen Fahrzeugen Standard. Die Fahrzeuge sehen optisch auch nicht schlecht aus, sondern rollen durchweg mit ansprechendem Karosserie-Design vom Laufband. Bei der Innenraum-Gestaltung dürfen Käufer allerdings keinerlei Luxus erwarten. In der Regel gibt’s knarzendes Hartplastik. Beim Hochdachkombi Dacia Dokker nicht einmal das: innen nacktes Blech für 8990 Euro. Lada bietet alle Modelle auch als sparsame Erdgas-Varianten an. In allen Segmenten, die sie besetzen, sind Lada und Dacia die mit Abstand günstigsten Anbieter. Sei es der Kombi Lada Kalina, der ansprechend gestaltete Van Dacia Logan MCV für 7990 Euro oder der SUV Sandero Stepway für 9890 Euro. Ein echtes Ur-Viech ist der rustikale Geländewagen Lada Taiga – Försters Liebling seit 1976 zum Preis von ein paar Klaftern Brennholz (9990 €). Den noblen Mercedes G gibt’s eben nur im TV als Dienstwagen.

Für billig gibt’s oft nur Sicherheits-Stufe 2

Gerade der Taiga zeigt, dass Käufer der Ost-Importe mitunter auch Abstriche bei der Sicherheit machen müssen. Der Allradler hieß bis vor ein paar Jahren Lada Niva. Mit dem kann man zwar durch Dick und Dünn fahren – aber am besten nirgends dagegen. Das Alteisen erfüllt keine modernen Crashtest-Anforderungen mehr. Deshalb benannte Lada den Niva um und vermarktet ihn nun als Kleinserie – dafür gelten die strengen Gesetze nicht. Als beängstigend erwies sich auch der Familien-Van Dacia Lodgy (9990 €) im Euro-NCAP-Crashtest: 3 Sterne sind eine Katastrophe. So offenbarte der Dacia Dokker im Test ziemlich miese Bremsen. Das Fazit: Geiz an der falschen Stelle, ist eben nicht immer geil.

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Datum: Dienstag, 12. Mai 2015 20:40
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